RootZ Bilder – Graffiti in Köln 2001



Einleitung

Ende November des Jahres
2001 habe ich ein altes Hobby von mir wieder aufleben lassen – das Fotografieren
einer der flüchtigsten und umstrittensten Kunstformen: Graffiti. 

Schon Mitte der Achtziger
Jahre des vergangenen Jahrhunderts war ich ziemlich fasziniert von dieser
Expressionsform und bin derzeit selbst mit Cans – Spraydosen bewaffnet
nachts um die Blocks geschlichen, um derzeit meinen „Ügüz“ (Ügüz
-> Igüz -> Dr. Igüz -> Dr. Highüz) von Kölner Wänden
leuchten zu sehen. Das, liebe K.A.S.A. ist jetzt verjährt und ich
werde von Euch bestimmt nicht mehr an den Eiern gepackt. Flicks – Fotos
dieser Zeit könnt ihr hier sehen. Zusätzlich
wurde ich durch diese nächtlichen und kreativen Aktionen dazu animiert,
das Großstadtmärchen zu schreiben, von dem ihr hier
den ersten Teil lesen könnt. 

 

Köln, 15 Jahre später.
Kann irgendeiner sagen, wie viele Kunstwerke seit Beginn dieser Revolution
gegen graue Wände von Sandstrahl, Säuren, Bürsten und den
verbohrten Hirnen lokaler Politiker zum Opfer gefallen sind? Der Krieg
der Farben ist in vollem Gange: bunt gegen Grau, Phantasie gegen Stumpfsinn,
Kreativität gegen Scheuklappen. 

Ich selbst hatte jahrelang
kaum einen Blick für das, was an den Mauern um mich herum passierte,
registrierte nur, dass Graffiti ein integraler Lebensbestandteil der Hip
Hop- und Skaterkultur wurde und sich immer mehr zu diversifizieren begann. 



 

Daß Köln überzogen
ist mit Tags, Hit Ups, Bombings und Burners, fiel mir erst auf, als ich
vor ein paar Wochen wieder begonnen habe, mit der Kamera durch die Gegend
zu ziehen um die Bilder systematisch abzulichten. Wenn man erst mal den
Blick dafür entwickelt hat, kann man nur sagen: Respekt an die Kölner
Boyz & Galz, die sich ihre Nächte mit diesen Aktivitäten
um die Ohren hauen. Ihr habt etwas zu sagen, ihr versteht Eure Skillz und
besonders lasst ihr Euch von der K.A.S.A. nicht einschüchtern. Auch
wenn der Kampf Can gegen Sandstrahl und Bullengrips ein sehr ungleicher
ist, gibt es genug People, die immer wieder und immer weiter ihre Fantasien
austoben und so für ein paar bunte Flecken in unserer grauen urbanen
Umwelt sorgen. Dafür möchte Euch der Doc seinen persönlichen
Respekt ausdrücken und jede(n) Interessierten einladen, an diesem
Dokumentationsprojekt der Graffitiszenen mitzumachen, denn wir müssen
schneller sein und die Werke fotografiert haben, bevor die Zombies von
der K.A.S.A. alles kaputtmachen. 

Die Graffitikultur ist sehr
umfassend und da ich nicht mitten in der Szene stehe, sondern eher als
sympatiasierender Außenseiter einzuordnen bin, kann es passieren,
daß ich dies oder das vielleicht nicht ganz exakt darstelle usw.
Bitte korrigiert mich und lasst mich dazu lernen. 

Eins habe ich auf jeden Fall
schon verstanden: das bisher vorliegende Material an Wänden ist eigentlich
nur ein Fragment der Kultur, viel prickelnder wird’s, wenn man sich die
Sache mit den Trains – also besprühten S-Bahnen, Straßenbahnen,
Zügen und Güterwagen – beschaut. Da wollen wir hinkommen. Wer
also Kontakt zu Leuten hat, die an Cars arbeiten, sagt Bescheid. Bitte
bleibt dabei möglichst anonym, denn was wir nicht wissen, kann die
K.A.S.A. im eventuellen Ermittlungsfall auch nicht aus uns rausquetschen. 









 

Übrigens bin ich eh
gespannt, ob wir uns mit diesem Artikel auf dünnes Eis bewegen und
aufgrund unserer Dokumentation wohl eine Durchsuchung der Redaktionsräume
zu erwarten ist. Naja, mal schauen, ich schließe mich jedenfalls
dem Kölner Leitspruch an: Fuck K.A.S.A!

Zum Jahreswechsel hatte ich
das große Glück, per reinem Zufall den Kölner Wall of Fame
zu entdecken. Der Szene dürfte der Standort bekannt sein, ich werde
ihn hier nicht veröffentlichen, damit nicht plötzlich eine Horde
von Toys, Onlookers und K.A.S.A. – Fuckers auftauchen. 



 

Als ich dort das erste Mal
dort unterwegs war, wollte ich es kaum glauben: hunderte von Metern feinster
Pieces, intelligenter Sprüche, fantastischer Wildstyles und verrücktester
Karaks. Die größten Teile umfassen 4 mal 10 Meter und in der
Gegend konnte der Sprühdose nichts widerstehen. So wurden kurzerhand
auch rumstehende Autowracks, Matratzen, Tonnen und weitere Objekte verziert
und in die bunte Welt der Graffiti integriert. Der neue Köner Wall
of Fame zeigt, dass Doc Highüz mit seinem Großstadtmärchen
eher eine visionäre Perspektive denn eine Utopie beschrieben hat.

Als Auftakt der Graffiti
2001er Serie stellen wir Euch in dieser Ausgabe einige ausgewählte
Meisterwerke vom besagtem Wall of Fame vor. Hinzu kommen ein Glossar und
eine Einführung in die Graffiti als Facette der Hip Hop Kultur, die
die neue RootZ Mitarbeiterin Sylvia geschrieben hat. 

Weiterhin gibt es ein paar
Artikel aus der lokalen Presse, die verdeutlichen, welch traurige Position
unsere Medien dem Phänomen Graffiti zuordnen und ein paar Links, mit
denen ihr euch im www noch tiefergehender informieren könnt.

 

Copyright:
Dr. Highüz 2002
 

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